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Wie hoch sollte die Deckungssumme einer Berufshaftpflichtversicherung sein ?

3/5/10/20/30 – Millionen über Millionen, aber hilft hier viel auch viel ?

Am deutschen Versicherungsmarkt herrscht ein zunehmend harter Wettbewerb. Dies ist schon länger bekannt und als ungebrochener Trend zu werten. Kunden profitieren naturgemäß von einem funktionierenden Wettbewerb, sind Sie doch der Nutznießer von sinkenden Beiträgen und besser werdenden Deckungskonzepten.

Neben dem Preiskampf hat sich bei Haftpflichtversicherungen nun aber gerade im Bereich der Deckungssumme ein besonderer Trend herausgebildet: Die Versicherer versuchen sich mit immer höheren Deckungssummen zu überbieten.

Wie viel besser ist nun aber eine Police die 10 Mio. € Deckungssumme bietet im Vergleich zu einer, die nur 5 Mio. € als Maximalentschädigung vorsieht ? Wie viel Mehrbeitrag sind hierfür gerechtfertigt? Diese Frage möchten wir im Folgenden näher unter die Lupe nehmen.

Als Veranschaulichung für den Bereich des Selbständigen in einem Heil- und Gesundheitsberuf, soll folgendes Beispiel dienen:

Am 14.2.2015 veröffentlichte die „Neue Presse“ in Hannover einen Bericht über einen Schadenersatzprozess, den die Eltern eines Kindes gegen einen Arzt führen. Dem Arzt wird vorgeworfen, durch einen Fehler bei der Geburt des Kindes in 2013 schuld daran zu sein, dass das Kind mit einer lebenslangen, schweren Behinderung leben muss.

Hier Auszüge des Artikels:

…„Es wäre die höchste Schmerzensgeldzahlung, die es in Deutschland jemals für einen Geburtsschaden gegeben hätte. 1,5 Millionen Euro. Diese enorme Summe fordern Menica (37) und Zeki (38) Y. aus Laatzen im Namen ihres Sohnes Adam.“…

..„Bis zu 40 Krampfanfälle täglich gehören heute zu seinem Alltag. Essen, trinken, sprechen, laufen, lächeln – nichts von dem kann das Kleinkind.“…

1,5 Mio. € für ein ganzes Leben als Schwerstbehinderter ?

Die Höhe der Schadenersatzforderung der Kläger liegt mit 1,5 Mio. € so hoch, wie noch nie in einem vergleichbaren Prozess in Deutschland zuvor. Die Lebensfreude eines ganzen Lebens jedoch mit dieser Summe auch nur halbwegs abzugelten scheint trotzdem fragwürdig, auch wenn dieser Vergleich naturgemäß schwer objektiv zu stellen ist.

Man fühlt sich bei der geforderten Summe aber unweigerlich an Schadenersatzprozesse aus den USA erinnert, wo der berühmte heiße Kaffee eines Kunden, der sich daran verbrühte, schon eine Schadenersatzsumme in Millionenhöhe ausgelöst hat. Das deutsche Schadenersatzrecht ist hier deutlich gemäßigter. Dies zum Leidwesen der Geschädigten, aber zur Freude der Versicherungen und Versicherten.

Haftpflichtdeckungssummen im zweistelligen Millionenbereich benötigen nur die wenigsten Selbständigen in einem Heil- und Gesundheitsberuf.

Auch wenn man sich Schadenersatzurteile aus dem Verkehrsrecht genauer ansieht, in denen Personen zu Schaden kamen, wird schnell klar, dass schon das Erreichen eines hohen sechsstelligen Schadenersatzbetrages sehr selten ist. Als Fußpfleger, Kosmetiker, Masseur oder Physiotherapeut einen Patienten so zu schädigen, dass eine Deckungssumme von 3 Mio. € nicht ausreicht, darf daher als höchst unwahrscheinlich angesehen werden.

Neben den Personenschäden, sind immer auch Sachschäden in einer Berufshaftpflichtversicherung abgedeckt. Historisch betrachtet, sind die wirklich großen Sachschäden meistens Feuerschäden. Dieses Risiko ist nicht zu unterschätzen, jedoch dürfte es auch hier nur schwer möglich sein, in hohe Millionenbeträge hinein zu kommen, wenn es um Schadenersatzforderungen Geschädigter geht. Extrembeispiele von Handwerken, die ganze Flughäfen lahmgelegt haben, weil sie ein Feuer verursachten, bilden hier sicher die Ausnahme und treffen für das Gros der Tätigen in einem Heil- und Gesundheitsberuf in aller Regel nicht zu.

Auch mit mittleren Millionenbeträgen ist der Heilberufler ausreichend hoch versichert.

Dies kann man sicher bei nüchterner Betrachtung der Schadenstatistiken großer Versicherer als Fazit ziehen. Eine Berufshaftpflichtversicherung eines Heilpraktikers für Psychotherapie, der in seinem Wohnhaus Patienten behandelt, ist auch mit 3 Mio. € Deckungssumme ausreichend hoch bemessen.

Eine Versicherung soll immer auch das Gefühl von Unsicherheit bekämpfen. Und hier gilt es auch, sich nicht unnötig Bange machen zu lassen. Eine Police mit 50 Mio. € Deckungssumme klingt zwar super, jedoch ist Sie deshalb nicht unbedingt besser als eine mit 5 Mio. € Deckungssumme.  Und mit Sicherheit ist Sie nicht zehnmal so gut !

Neben einer ausreichend bemessenen Deckungssumme sollte vielmehr auch der Deckungsumfang einer Police betrachtet werden. Hier sind zielgruppenspezifische Spezialpolicen oft die beste Wahl, weil Sie sich eng am Bedarf eben dieser Zielgruppe in ihrer Konzeption ausrichten.

Betont werden soll aber zu guter Letzt, dass es in erster Linie wichtig ist, sich überhaupt im Bereich der Berufshaftpflicht zu versichern, bevor man mit Patienten/Kunden arbeitet. Die Privathaftpflichtversicherung greift hier naturgemäß nicht, denn hier ist – wie es der Name schon sagt – nur der Bereich des privaten Lebens versichert, nicht aber der berufliche. Dies gilt auch, wenn ein Beruf nur im Nebenberuf ausgeübt wird.