Beruf : Tierphysiotherapeut

Ein Tierphysiotherapeut führt ohne tierärztliche Approbation Behandlungen an Tieren durch. Die Ausübung dieses Berufes ist, anders als beim Heilpraktiker, gesetzlich nicht geregelt. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt und kann zur Zeit von allen Personen geführt werden. Es stehen also heute Tierphysiotherapeuten, deren Kenntnisse auf einem Wochenendlehrgang beruhen, neben solchen mit mehrjähriger Ausbildung, so dass der Berufsstand als sehr heterogen angesehen werden muss. Die Tierphysiotherapie ist ein noch sehr kleiner Berufszweig in Deutschland, der sowohl bei Tierärzten, Tierheilpraktikern als auch bei Patientenhaltern immer größere Beachtung findet.

Der Beruf

Der Tierphysiotherapeut hat Fingerspitzengefühl, Freude am Umgang mit Tier und Mensch und schätzt einen selbstständigen Beruf. Die Tierphysiotherapie ist eine – mittlerweile etablierte – Therapieform in Deutschland geworden. Unterstützend zur Schulmedizin und anderen alternativen Therapiemethoden wird die Physiotherapie eingesetzt. Das Aufgabenfeld umfasst Skelett-, Nerven- und Muskelerkrankungen des Vierbeiners. Nach Operationen (z.B. Bandscheibenvorfall, Knochenbrüche, Kreuzbandoperationen) ist eine Tierphysiotherapie ebenfalls sehr hilfreich. Manuelle Therapien, aber auch Gerätetherapien, kommen zum Einsatz. Zur Manuellen Therapie gehören: Massagen, passive Krankengymnastik, isometrische Spannungsübungen, Lymphdrainage und Behandlungen auf neurophysiologischen Grundlagen. In der Gerätetherapie werden Elektrotherapie, therapeutischer Ultraschall, Magnetfeldtherapie, physiotherapeutische Geräte (Schaukelbrett, Laufband, u.a.) und die Wassertherapie, wie z.B. Unterwassermassage, Unterwasserlaufband, Bewegungsbad und Stangerbad (Elektrotherapie im Wasser) eingesetzt. Hauptziele der tierphysiotherapeutischen Behandlung sind die Schmerzlinderung, Muskelaufbau und –erhalt, Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und Wiederherstellung eines normalen (physiologischen) Gangbildes. In der Regel arbeitet der Tierphysiotherapeut eng mit dem zuständigen Tierarzt zusammen. Die Therapie unterstützt die tierärztliche Behandlung, ersetzt diese aber nicht.

Die Ausbildung

Die Ausbildung zum Tierphysiotherapeuten ist in Deutschland nicht staatlich geregelt und anerkannt. Wichtig für diesen Beruf ist die Liebe und Verständnis zum Tier. Das Wissen um das Verhalten und Einfühlungsvermögen sind im Vorfeld wichtiger, als humanphysiotherapeutische Vorbildungen. Es gibt nur wenige Ausbildungsstätten in Deutschland, die die Tierphysiotherapie lehren. Die Physiotherapie für Tiere hat sich in den letzten Jahren mit der gleichen rasanten Geschwindigkeit entwickelt, wie die Hundeverhaltenstherapie. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Literatur auf den Gebieten beinahe verfünffacht. Das Wissen ist aber so umfangreich und fachspezifisch, dass nur sehr kompetente Fachkräfte den Unterricht durchführen können.

Kompetenzen

Der Beruf des Tierphysiotherapeuten hat sich mit gezielten Bewegungsübungen, Kälte- und Wärmeanwendungen, Elektrostimulation, Akupressur, Ultraschall etc. aus der klassischen Massage weiterentwickelt. Viele Tierärzte arbeiten vor allem bei Hunden und Pferden mit Schäden am Bewegungsapparat mit Tierphysiotherapeuten zusammen. Einsteiger in diesem Beruf sollten erst nebenberuflich mit einer Fahrpraxis arbeiten und erst später ganz zur Tierphysiotherapie überwechseln.

Berufsrisiken

Verstöße gegen die Berufsordnung können im Wege eines ehrengerichtlichen und gerichtlichen Verfahrens geahndet werden. Vorher sollte der Versuch einer kollegialen Einigung vor dem zuständigen Gremium des Bundesverbandes unternommen werden. In einem solchen Verfahren kann darüber entschieden werden, ob ein Tierphysiotherapeut wegen beruflicher Untüchtigkeit aus dem Bundesverband ausgeschlossen werden soll.