Richard Bandler und John Grinder fragten sich, warum es einigen bekannten Therapeuten gelang, schnelle und tiefgreifende Veränderungen bei ihren Klienten zu bewirken. Sie nahmen sich die Vorgehensweise dieser »Magier« der Therapieszene genauer »unter die Lupe«. Die vier Therapeuten waren: Fritz Perls (Gestalttherapie), Virginia Satir (Familientherapie), Milton Erickson (Klinische Hypnose) und Moshé Feldenkrais (Körpertherapie).

 

Mit wissenschaftlicher Genauigkeit untersuchten Bandler und Grinder ihre vier Modelle. Sie machten Videoaufnahmen dieser Therapeuten während deren Arbeit und werteten sie minutiös aus, sie zerlegten die Interaktionen der Therapeuten und ihrer Klienten. Sie waren nämlich nicht an deren Theorien und Meinungen über Therapie interessiert, sondern in erster Linie an deren tatsächlichem beobachtbaren Verhalten, also an dem, wie sie etwas taten. Diese Analyse ergab einige zentrale Techniken, die den Therapeuten selbst oft gar nicht bewusst waren. Bandler und Grinder hatten nun den Anspruch, allgemeingültige Verfahren zu entwickeln, die jederzeit und mit jedem Patienten wiederholbar waren. Das so von ihnen erarbeitete Modell nannten sie NLP und es fand schnelle Verbreitung in den USA und in Europa.

 

Zu den Hauptgrundsätzen des NLP gehört die Schulung der Wahrnehmung und dies ist auch der Grund, warum Therapeuten aller Schulen von den Erkenntnissen des NLP profitieren können. Obwohl nicht so gedacht, wird NLP heute doch meistens als eine eigenständige Therapieform angesehen. Was bedeutet nun eigentlich NLP genau?

 

Das N steht für »Neuro« und bezieht sich auf die Annahme, dass die gefundenen Muster auf einer neurologischen Ebene stattfinden, also eine direkte Entsprechung auf der Funktionsebene des Nervensystems haben. Das L steht für »Linguistisch« und bezieht sich darauf, dass diese Muster in der Sprache deutlich werden und durch die Sprache beeinflusst werden können. Das P steht für »Programmieren« und deutet darauf hin, dass es möglich ist, mit dieser Methode Menschen zu helfen, sich von problemerzeugenden, automatisch ablaufenden inneren Programmen zu lösen.

 

Die Aufgabe des NLP-Therapeuten besteht nun darin, ausgehend von der Welt des Klienten, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass dieser neue Wege gehen kann. NLP geht davon aus, dass wir die Welt durch unsere Sinnesorgane wahrnehmen. Und auch die weitere Verarbeitung sinnesspezifischen Qualitäten entspricht. Wir benutzen verschieden Repräsentationssysteme um unsere Welt zu erfahren. Wir sehen Bilder, können aber auch in Bildern denken (visuelles Repräsentationssystem), wir hören jemanden etwas sagen, registrieren aber auch innere Stimmen, denen wir Gehör schenken (auditives oder akustisches Repräsentationssystem), wir fühlen Berührungen von außen, lassen aber auch Gefühle im Inneren entstehen, die sinnesspezifische Qualitäten haben (kinästhetisches Repräsentationssystem). Das Gleiche gilt für Geruch und Geschmack (das olfaktorische Repräsentationssystem). Unsere Sprache gibt das innere Erleben genau wieder und wir erkennen an der Wahl der Worte, in welchem der Repräsentationssysteme sich unser Gegenüber gerade befindet. Dies hat ein viel besseres Verständnis dessen Welt zur Folge. Wir wechseln natürlich, je nach Ereignis, von dem wir berichten oder je nach Stimmung, in der wir gerade sind die Repräsentationssysteme, haben aber doch unser bevorzugtes System. Ein Mensch, der sehr visuell wahrnimmt und erlebt wird andere Worte bei der Schilderung seines letzten Urlaubes wählen, als ein Kinästhet. Der Visuelle wird den Blick beschreiben, den er aus dem Hotelzimmer hatte, er wird die Sonnenuntergänge schildern, die Farbenpracht der Blumen etc. Der Kinästhet wird sie mitfühlen lassen, wie es war, die Wärme der Sonne auf der Haut zu spüren und wie es war, dann ins kalte Wasser zu springen.

 

Die Tatsache, daß Wahrnehmungsreize von außen, wie das Hören einer Stimme, das Sehen eines Bildes oder ein bestimmter Geruch tiefe Gefühle auslösen und Erinnerungen wecken können, ist kein Geheimnis und wird im NLP in der Technik des Ankerns angewandt. Positive Erinnerungen und Fähigkeiten einer Person werden zum therapeutischen Nutzen mit äußeren Reizen, wie einer Berührung, verknüpft, wodurch der Zugang zu inneren Ressourcen (positiven Fähigkeiten, Quelle) erleichtert wird.

 

Wie jede andere Therapieform auch hat NLP sein eigenes Gedankengebäude. Die Prämissen des NLP sind:

 

Menschen reagieren auf ihre Abbildung der Realität, nicht auf die Realität selbst.

Wir alle haben verschiedene innere Abbildungen von der Welt, mit deren Hilfe wir uns in ihr orientieren. Keine dieser »Karten« repräsentiert die Welt so, wie sie wirklich ist. NLP hilft, die inneren »Karten« so zu verändern, dass man sich besser zurechtfinden kann. Geist und Körper sind Teil des gleichen kybernetischen Systems – sie beeinflussen sich gegenseitig.

Was mental geschieht, geschieht auch im und mit dem Körper. Im NLP spricht man von der jeweiligen Physiologie des Klienten, die den jeweiligen inneren Zustand zeigt.

 

»Widerstand« ist eine Aussage über den Therapeuten, nicht über den Klienten.

Diese Behauptung bezieht NLP allerdings auch auf jeden anderen, der kommuniziert. Das heißt, ich selbst muss mich so lange verändern, bis der Andere die Veränderung, die ich bewirken möchte, zeigt. Es gibt weder Fehler noch Versagen – es gibt nur Feedback (Rückmeldung).

Verändert sich der Klient nicht, so heißt dies für den Therapeuten, dass er noch etwas Wesentliches übersehen hat. Menschen funktionieren perfekt. Niemand ist »nicht in Ordnung«, »hat einen Defekt« oder ist – »kaputt«.

Jedes Verhalten, das andere psychologische Richtungen vielleicht als eine Störung betrachten, wird im NLP als Leistung gewürdigt, mit den gegebenen Umständen umzugehen. Hier wird z.B. gefragt, was jemand in der Lage ist zu tun, unter Umständen mit seinen inneren Bildern, um zuverlässig jedes Mal panisch zu reagieren, wenn er einen Aufzug betritt.

 

Menschen treffen immer die beste Wahl, die ihnen im jeweiligen Moment und mit den jeweils vorhandenen Informationen möglich ist. Das manchmal für den Außenstehenden als boshaft oder verrückt erscheint, ist eben die für diesen Moment einzige Reaktionsmöglichkeit für den Organismus. Das herausragende Ziel von NLP ist, dem Klienten zusätzliche Wahlmöglichkeiten zu erschließen.

Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.

 

Jedes Verhalten erfüllt eine positive Funktion, auch wenn es manchmal schädliche, oder sogar tödliche Nebenwirkungen hat. Wenn ein Mensch es lernen kann, etwas Bestimmtes zu tun, können es prinzipiell alle.

 

Dies ist die Grundeinstellung, mit der Bandler und Grinder das NLP entwickelten.

Menschen verfügen schon über alle notwendigen Ressourcen, die sie brauchen, um die angestrebten Veränderungen zu erreichen.

Man muss ihnen als NLP-Therapeut die Möglichkeit geben, sich so zu organisieren, dass sie zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort Zugang dazu haben.

 

Im NLP wird grundsätzlich nichts »wegtherapiert«, sondern es wird darauf geachtet, dass der Klient zusätzliche Verhaltens- und Reaktionsmöglichkeiten zur Verfügung hat. In der Physik weiß man schon lange, dass man in diesem Universum nichts wegmachen kann, sondern nur verändern, oder hinzufügen.

 

Großen Wert legt NLP auch auf die ökologische Abklärung jeder Veränderung. Das heißt das vorherige Durchspielen jeder Veränderung in der Phantasie in Bezug auf die Bewertung durch intrapsychische Teile der Person, als auch bezüglich der Auswirkungen auf sein Umfeld, wie Familie, Beruf und andere Beziehungen. Dabei unangenehm auftretende Gefühle werden als Feedback aufgefaßt und in die weitere Arbeit mit einbezogen. Man nennt dieses Feedback auch Einwände, die sowohl von innen als auch von außen kommen können. Ein Einwand kann folgendes sein: Eine Frau mit starkem Übergewicht möchte abnehmen. Hätte sie ihr Idealgewicht, wäre sie für andere Männer attraktiver und würde mehr Aufmerksamkeit erregen. Jetzt hätte sie allerdings Probleme mit der Eifersucht ihres Ehemannes, der sie dann stärker kontrollieren würde. Dieser »Preis« kann für sie so hoch sein, daß er ihr Abnehmen verhindern würde. Jetzt hat der NLP – Therapeut ein neues Ziel: Nämlich die Beziehungsarbeit zwischen den Eheleuten.

 

Das Aufeinanderfolgen von sinnesspezifischen Verarbeitungsschritten, die ein Mensch innerlich durchläuft, um ein Ziel zu erreichen, nennt man Strategie. So haben Menschen bestimmt Strategien, sich zu motivieren, etwas zu lernen, etwas zu bekommen, etc. Strategien herauszufinden, zu nutzen oder zu verändern, ist Aufgabe des NLP – Therapeuten. Hat man eine für etwas Positives gut funktionierende Strategie herausgefunden, so kann man sie in einem anderen Kontext für etwas verwenden, das man noch nicht so gut kann. Es handelt sich bei Strategien also um reine Strukturen, um Prozesse innerhalb des Klienten, die es zusammen mit ihm zu erforschen gilt.