Was versteht man unter Gesundheit? Was versteht man unter Fitness?

Begriffsbestimmung

Es gibt keine allgemein gültige Definition der Begriffe Gesundheit und Fitness:
Gesundheit ist kein Besitz, sondern eine stete seelisch-körperliche Aufgabe (Reindell und Rosskamm)
Gesundheit ist nichts, was man sich passiv auf einem Krankenrezept in der Apotheke besorgen kann, sondern etwas, das man sich aktiv erwerben und erhalten muss (Rost)
Gesundheit ist ein Zustand des umfassenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht lediglich ein Freisein von Krankheit und Schwäche (World Health Organization).
„Fitness“ in seiner umfassendsten Definition ist, wenn es sich um die „gesundheitsorientierte Fitness“ handelt, mit der Definition der WHO gleichzusetzen (beide Begriffe sind somit synonym).
Es gibt darüber hinaus viele „Fitness: – Konzepte – Bewegungen – Bezüge“ so z.B. die „sportartbezogene Fitness“ (Kraftsportler haben eine speziell auf die Kraft bezogene Fitness, während z.B. die Ausdauerleistungsfähigkeit kaum ausgebildet ist).
Welche Beziehung gibt es zwischen Gesundheit und Sport?

Prinzipiell gilt:

Sport ist nicht an sich gesund, sondern immer nur so gesund, wie man ihn betreibt (Rost)
Jedes Alter hat seine Sportart(en). Die Altersstufe/individuelle Verfassung – und natürlich der aktuelle Gesundheitszustand- ist das Maß aller Dinge. Einstmals „gesunde“ Sportarten können sich mit der Zeit zu „ungesunden“ Sportarten entwickeln
Sport ist kein Allheilmittel und kann nicht all das kompensieren, was Mann/Frau sonst im Leben falsch machen (Ernährungsfehler, Süchte, Umweltbelastungen etc.).

Weswegen ist es sinnvoll ein Gesundheitstraining zu machen?

In den „hochindustrialisierten“ Nationen nahm innerhalb von nur 100 Jahren der Anteil der durch körperliche Aktivitäten bereitgestellten Energie von 90 % auf unter 1 % ab! Dieser rasante Abfall an physischer Tätigkeit blieb für die Menschen nicht ohne Folgen. Von seiner Evolution her ist der Mensch nämlich ein „Lauftier“ und kein chronischer „Stubenhocker“ mit überwiegender „Kopfarbeit“. Noch in der Steinzeit legten Jäger und Sammler etwa 20-40 km täglich zurück! Heutzutage ist die Lauf-, Gehleistung auf knapp 2 km geschrumpft. In der Geschichte der Menschheit ist diese völlige Veränderung des Bewegungsverhaltens – in so kurzer Zeit – einmalig. Die Folgen sind eine Vielzahl von „Bewegungsmangelerkrankungen“. Als Negativverstärker kommen hinzu:

  • Fehlernährung
  • Suchtverhalten
  • Disstress („schlechter Stress; Gegensatz ist der „gute“ Stress = Eustress)

Fazit: Der Bewegungsmangel ist in den „hochindustrialisierten“ Nationen stark verbreitet. Viele sportmedizinische Forschungsergebnisse zeigen auf, dass die Bewegung für die „Gesunderhaltung“ eine zentrale Rolle spielt. Jedes Organ ist nämlich nur so leistungsfähig, wie es dem Grad seiner Beanspruchung entspricht.

Wie äußert sich Bewegungsmangel?

Körperliches Aktivitäten und keine körperlichen Aktivitäten haben einen entscheidenden Einfluss auf Form und Funktion des Körpers und zwar im größeren Ausmaß als das Alter (Jokl).
Diese Erkenntnis beinhaltet die grundlegendste Gesetzmäßigkeit der Natur, die „Anpassung“ (Adaptation). Es ist die Fähigkeit sich an die verschiedenen Umweltbedingungen (Reize) anzupassen (Evolution).

Die organische Form bestimmt die Funktion. Die Funktion ihrerseits entwickelt und formt das Organ (Roux, 1895).

Ohne dieses funktionelle Wirkungsgefüge wäre es dem menschlichen Organismus nicht möglich, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Anpassungen sind umkehrbar und müssen ständig neu erworben werden (Beispiel: „Gipsverband“, verändert sich die Form… verändert sich auch die Funktionstüchtigkeit).
Mangelnde oder fehlende Belastungen/Trainingsreize lassen den Organismus (einzelne Organe) „verkümmern“. Dabei wirkt sich ein Belastungs- bzw. Funktionsverlust eines Organs fast immer auch auf den gesamten Organismus aus (wenn mehr als 1/6 der Skelettmuskulatur dadurch betroffen ist). Von daher sind auch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den westlichen Nationen die mit Abstand häufigsten Krankheitsbilder.
Die mangelnde physische Leistungsfähigkeit geht oft einher mit der nicht mehr zu bewältigenden psychischen Belastung (Disstress: vermehrte Ausschüttung von Katecholaminen = Stresshormone, die nicht benötigt und somit auch nicht abgebaut werden können), was langfristig zu ungünstigen Gefäßveränderungen (sog. Arteriosklerose) führt. Die Folgen sind Herzinfarkt und Schlaganfall. Jeder zweite Bundesbürger stirbt daran!

Darüber hinaus gibt es noch in folgenden Bereichen Bewegungsmangelerkrankungen:

  • Aktiver und passiver Bewegungsapparat
  • Stoffwechselsystem
  • Hormonsystem
  • Vegetatives Nervensystem
  • Zentralnervensystem (koordinative Schwächen)

Was kann man dagegen tun?

Die Struktur und Leistungsfähigkeit eines Organs wird einerseits vom Erbgut, andererseits von der Qualität und Quantität seiner Beanspruchung bestimmt. Nach heutigen Erkenntnissen bestimmt das Erbgut ca. 50-70% der Leistungsfähigkeit, so dass 50-30% äußeren Einflüssen vorbehalten sind.
Für die Entwicklung und Erhaltung der organischen Leistungsfähigkeit sind sog. überschwellige Reize nötig (siehe Trainingsprinzipien). Bleiben diese Reize über einen längeren Zeitraum aus, so entstehen Leistungseinbußen. In manchen Fällen tritt sogar ein Verlust an funktionstüchtigen Gewebe ein (Degeneration).
Eine umfassend und vielseitige aktivierte Muskulatur ist also die Grundvoraussetzung für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit aller Organsysteme des Menschen im Sinne einer allgemein gesteigerten Vitalität.

Da die Entstehungsursachen der sog. Bewegungsmangelerkrankungen (Zivilisationskrankheiten) aus einer einzigen „Quelle“, nämlich fehlender Bewegung, gespeist wird, kann als geeignetes Gegenmittel nur mehr Bewegung empfohlen werden.
Hierbei muss darauf hingewiesen werden, dass sich Bewegungsmangelerkrankungen in vielfältiger Weise zeigen können. Sie betreffen auch ganz unterschiedliche Organe. Folglich kann eine „einseitige“ körperliche Belastung nicht alle Bewegungsdefizite beseitigen.

Von daher stellt sich die Frage, welche Bewegungsaktivitäten sich im besonderem Maße zur Prävention eignen?
Die meisten sportmedizinischen Forschungen auf dem Gebiet des Gesundheitstrainings haben sich mit den Auswirkungen der motorischen Fähigkeiten (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Flexibilität, Koordination) auf das Organsystem beschäftigt. Übereinstimmend kamen die Autoren zu folgenden Ergebnissen:
Der Schwerpunkt eines Gesundheitstrainings muss auf die Entwicklung oder den Erhalt der Ausdauerleistungsfähigkeit gelegt werden (mindestens 50%, einige Autoren empfehlen sogar 2/3 Anteil). Ausdauersportarten sind geeignet für die Steigerung der allgemeinen Fitness und zur Prävention gegenüber HKS-Erkrankungen
ca. 30% (20%) soll der Schulung der Kraftfähigkeit zukommen. Ein Krafttraining führt zur Steigerung der allgemeinen Kraft, zur Haltungsprophylaxe und zur Prävention gegenüber Erkrankungen des Bewegungsapparates (im Speziellen auch bzgl. unserer evolutionär bedingten „Schwachstelle“, der Wirbelsäule; Vermeidung von „Rückenleiden“, eine Krankheit, die an vorderster Stelle der Frühverrentung steht! )

ca. 20% der Flexibilität und Koordination. Ein Beweglichkeitstraining hat das Ziel die „Bewegungsamplitute“ (Schwingungsweite der Gelenke) der Gelenke zu erhalten und soll Muskelverkürzungen verhindern. Ein Koordinationstraining soll gegenüber koordinativen Schwächen und Störungen (Reaktionsfähigkeit, Orientierungsfähigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit, Koppelungsfähigkeit etc.) vorbeugen.
Die Schulung der Schnelligkeitsfähigkeit sollte im Gesundheitstraining nicht zur Anwendung kommen (zu hohe anaerob-laktazide Belastungen, einhergehend mit sehr hohen Herzfrequenzen, die den Herzmuskel zu stark belasten könnten).
Was ist grundsätzlich bei einem Gesundheitstraining (allgemeinen Fitnesstraining) zu beachten?
Der Begriff „Training“ ist allgemein als ein Übungsprozess zu verstehen, der planmäßig und gezielt versucht, die Verbesserung eines Zustandes (physische, psychische, intellektuell technisch-taktische etc.) zu erreichen.
Im Gesundheitssport geht es ebenfalls um eine planmäßige und gezielte Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit aber nicht wie im Hochleistungssport um das Erreichen der individuellen Höchstleistung.

Auf Trainingsprozesse wirken unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten (z.B. biologische, psychologische etc.) ein. Die Kenntnis dieser Gesetzmäßigkeiten, Grundsätze, Trainingsprinzipien sind ganz entscheidend für die Effektivität des Trainings. Bei der Anwendung dieser Trainingsprinzipien muss man beachten, dass sie nicht isoliert nebeneinander stehen, sondern aufgrund ihrer unlösbaren Zusammenhänge komplex betrachtet und in ihrer Gesamtheit beherrscht werden müssen. Sie beeinflussen und ergänzen sich gegenseitig.

Für den Gesundheitssport wären folgende Prinzipien der Trainingsgestaltung von Bedeutung:

Das Prinzip des trainingswirksamen Reizes beinhaltet die Notwendigkeit, dass Belastungsreize eine bestimmte Schwelle überschreiten müssen, mit anderen Worten deutlich über der körperlichen „Alltagsbelastung“, damit ein Leistungszuwachs erreicht werden kann. Diese sogenannten „überschwelligen Reize“ liegen z.B. bei Ausdauerbelastungen im Gesundheit Sport im Bereich von 50 – 80% der maximalen Sauerstoffaufnahme (die durchschnittliche max. Sauerstoffaufnahme liegt bei Alltagsbelastungen bei ca. 30%).

Das Prinzip der Überkompensation (Superkompensation) ist die Zeitspanne der biochemischen und physiologischen Wiederherstellung verbrauchter Energiequellen und „verschlissener“ Zellmaterialien etc. nach einer Belastung über das Ausgangsniveau hinaus. Ist diese Zeitspanne/Erholungsphase nach einer Trainingseinheit zu lang (nach ca. 8 Tagen ist der „alte“ Zustand wieder erreicht), bildet sich auch das Phänomen der Überkompensation zurück. Ein optimaler Leistungszuwachs wird dann erreicht, wenn die neue Belastung (Trainingseinheit) ungefähr im Höhepunkt der Überkompensationsphase ansetzt. Diesen Zeitpunkt zu „erwischen“ hängt sehr vom Erfahrungsschatz und der eigenen Körperwahrnehmung der Person ab. Diesem Gesichtspunkt liegt das Prinzip der optimalen Relation von Belastung und Erholung zugrunde. Über die Zeitspanne der Erholungsphase gibt es bisher keine exakten Erkenntnisse, weil neben der vorausgegangenen Belastung viele andere Faktoren in der Wiederherstellungs-phase eine Rolle spielen (Ernährung, Schlaf etc.). Generell kann man aber sagen, dass im Gesundheit Sport, aufgrund der niedrigen bis mittleren Belastungsreize, ein tägliches Training möglich wäre. Mindestens sollten jedoch 2-3 Trainingseinheiten auf die Woche verteilt werden.

Das Prinzip des progressiven Reizes ergibt sich aus den gesetzmäßigen Beziehungen zwischen Belastungsreiz, Wiederherstellung/Erholung, Anpassung und Leistungssteigerung (siehe Bezug zu o.a. Prinzipien). Bleiben Belastungen über einen längeren Zeitraum konstant, dann verlieren sie ihre Wirksamkeit für die Leistungssteigerung (Missachtung des Prinzips des trainingswirksamen Reizes). Mit anderen Worten, gleichbleibende Reize tragen demnach nur zum Erhalt des momentanen Leistungszustandes bei, nicht aber zu seiner Steigerung. Im Gesundheit Sport sollte der Fokus auf eine allmähliche Belastungssteigerung gelegt werden, wobei die Umfangs- vor der Intensitätssteigerung geht (z.B. Erhöhung der Trainingseinheiten/Woche von 2 auf 3, der Laufstrecke von 2 km auf 3 km etc.).
Das Prinzip der kontinuierlichen Belastung besagt, dass das Training regelmäßig stattfinden sollte, bis individuelle Ziel erreicht ist. Wird die Kontinuität (Verletzung, Krankheit etc.) des Trainings unterbrochen, dann kommt es zu einem Abfall der Leistungsfähigkeit. Dieser Leistungsabfall ist abhängig vom absolvierten Trainingsaufbau: schnell erworbene Leistungssteigerungen gehen schnell zurück, langfristig erworbene dementsprechend langsam.
Das Prinzip der richtigen Belastungsfolge ist nur zu beachtet werden, wenn in einer Trainingseinheit mehrere motorische Fähigkeiten z. B. Ausdauer und Koordination (Tennisspiel) geschult werden sollen. Hierbei muss die Reihenfolge so gewählt werden, dass zunächst Übungen, die eine erholten Zustand erfordern (z. B. Koordinations- oder Kraftübungen) an den Anfang des Trainings gesetzt werden. Am Ende stehen die Übungen für die Ausdauerschulung.