Recht

EU-Nadelstichrichtlinie und Biostoffverordnung

Die Biostoffverordnung wurde aktualisiert und enthält neue Anforderungen, die auch für Heilpraktiker Konsequenzen haben.

Worum geht es?

Spitze oder scharfe Medizinprodukte, bei denen die Gefahr für Nadelstichverletzungen oder Schnittverletzungen besteht, dürfen seit dem 15. Juli 2013 nicht mehr benutzt werden. Das besagt die seit diesem Datum gültige EU-Nadelstichrichtlinie (BGBL. S. 2514). Mit dieser Richtlinie, die bereits 2010 formuliert wurde, wird der neuen Biostoffverordnung (BiostoffV) Rechnung getragen, die im Bereich Arbeitssicherheit sicherheitsrelevante Aspekte berücksichtigt. Hauptsächlich werden nun auch Heilpraktiker stärker in die Pflicht genommen: so sollen Verletzungen vermieden werden, die beim Umgang mit Kanülen und scharfen Gegenständen entstehen können. Zu den neuen Arbeitgeberpflichten gehört unter anderem auch, eventuell vorhandenes Personal besser zu schulen, um sicherzustellen, dass Nadelstichverletzungen entsprechend einer Risiko – und Gefährdungsbeurteilung sicher vermieden werden können. Auch diese geht aus einer Anforderung der neuen Biostoffverordnung hervor.

Was bedeutet das für die Praxis?

In erster Linie bedeutet es neben der Verbesserung der Ausbildung und einer damit zusammenhängenden Qualitätssteigerung vor allem eine Gefahrenverminderung: Infektionen und Verletzungen müssen, soweit möglich, vermieden werden. Außerdem dürfen gebrauchte Kanülen nicht wieder in die Schutzkappen zurückgesteckt werden.

Die neue Biostoff-Verordnung regelt seit Neuestem auch in einem entsprechenden Paragraphen die Pflichten eines Arbeitgebers in Bezug auf die „Grundpflichten“ des Arbeitgebers.

Wo steht es geschrieben?

Aktuell wird eine neue TRBA 250 ausgearbeitet, um jedem einzelnen Praxisinhaber zu verdeutlichen, welche Forderungen genau bestanden und welche umgesetzt wurden. Ein Team unter Federführung von BGE-Präventionsexperten erarbeitet zurzeit die neue TRBA – bis diese Neuauflage verfügbar sein wird, müssen sich alle Praxisinhaber, die Mitarbeiter beschäftigen, bei der Risiko – und Gefährdungsbeurteilung von Betriebsärzten unterstützen lassen.

Diese und noch weitere interessante Neuigkeiten rund um die BiostoffV finden Sie unter www.gesetze-im-Internet.de/biostoffv_2013.

 

Homöopathie

IKK Südwest übernimmt Homöopathie-Leistungen von HPs

 

Seit dem 01.10.2013 übernimmt die IKK Südwest in einigen Bundesländern Homöopathie-Leistungen für gesetzlich Versicherte als sogenannte Satzungsmehrleistung. Ein Novum in der GKV!

 

Homöopathie ist ein Teil der klassischen Naturheilverfahren, die normalerweise kein Bestandteil des gesetzlichen Leistungskatalogs der Krankenkassen ist. Diese Therapieform basiert auf Einzelarzneien in stark verdünnter Form, die nach dem Ähnlichkeitsprinzip verordnet werden. Das Ähnlichkeitsprinzip besagt, dass ein Mittel, das bei gesunden Menschen bestimmte Symptome hervorrufen kann, genau diese bei erkrankten Menschen zu heilen vermag.

Auch die IKK Südwest, die in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland aktiv ist, hast die Wichtigkeit der Homöopathie erkannt und übernimmt seit dem 01.Oktober 2013 als erste deutsche Krankenkasse Homöopathie-Leistungen für gesetzlich Versicherte als sogenannte Satzungsmehrleistung bis zu einem Betrag von 150 bzw. 300 Euro pro Jahr.

 

Dabei ist es natürlich Voraussetzung, dass der Leistungserbringer die Qualität seiner Arbeit nachweisen kann, also ein qualifizierter Homöopath ist. Demnach können auch SHZ-zertfizierte Heilpraktiker als qualifiziert gelten, denn sie gehören einem deutschen Verband für Heilpraktiker oder Naturheilkundler an – ihre Berufsordnung ist als „Heilpraktiker“ anerkannt.

Derzeit kann die IKK noch als Vorreiter bezeichnet werden, denn die Erbringung von Heilpraktiker-Leistungen gehört noch nicht zu den gesetzlichen Standards.

 

Wahrscheinlich hätte auch die IKK Südwest sich noch nicht dazu entschieden, Heilpraktiker-Leistungen zu erstatten – die hohen Qualitätskriterien in der Homöopathie gaben letztlich den Ausschlag, eine Genehmigung durch das Bundesversicherungsamt zu forcieren.

  

 

Unterversorgt. Überversorgt.
Barmer GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2013 stellt Therapie bei COPD und die Osteopathie auf den Prüfstand.

 

Die Begriffe, osteopathische Medizin und osteopathische Behandlung beschreiben im Bereich der Alternativmedizin verschiedene Krankheits- und Behandlungskonzepte.

In Europa werden darunter unterschiedliche befunderhebende und therapeutische Verfahren verstanden, die manuell, also mit den bloßen Händen des Behandlers ausgeführt werden. Die Bezeichnungen „Manuelle Medizin“, „Manualtherapie“, „Chirotherapie“ und „Chiropraktik“ werden teils synonym gebraucht. Wirkungsnachweise gibt es nur für wenige der Indikatoren, die der Osteopathie zugeschrieben werden.Seit dem 1. Januar 2012 übernehmen in Deutschland einige gesetzliche Krankenkassen für Pflichtversicherte in gewissen Teilen die Behandlung.Voraussetzung hierfür ist sowohl eine formlose ärztliche Bescheinigung als auch eine anerkannte berufliche Qualifikation des Behandelnden. Die meisten privaten Krankenkassen übernehmen schon seit längerem die Kosten osteopathischer Leistungen.

Dennoch herrscht Skepsis vor, weil nach wie vor noch nicht abschließend wissenschaftlich erwiesen ist, ob eine medizinische Evidenz vorliegt, ob die Behandlungsmaßnahmen also wirklich medizinisch zielführend sind. Die Autoren den „Heilmittelreports“ misstrauen der Osteopathie noch und wünschen sich Klarheit darüber, wie sich die Heilerfolge der bereits etablierten und bewährten Physiotherapie von denen der Osteopathie unterscheiden. Ins selbe Horn stößt der Bremer Sozialwissenschaftler Gerd Glaeske, der behauptet, derzeit sei die vorhandene Evidenz eben aufgrund der fehlenden Beweise nicht ausreichend gegeben, um zu rechtfertigen, dass Leistungen aus dem Bereich Osteopathie standardmäßig ins Portfolio einer gesetzlichen Krankenkasse aufgenommen werden. Obwohl etwa 70 der 130 Krankenkassen osteopathische Leistungen mittlerweile anbieten, tun sie dies nur aufgrund der starken Nachfrage – denn die Zurückhaltung gegenüber dieser alternativen Behandlungsmethode besteht allein auf wissenschaftlicher Seite, nicht auf der der Therapeuten oder der Patienten, die durchweg von ihr überzeugt sind. Die Wissenschaft hingegen warnt davor, die Osteopathie nicht überzubewerten und führt einen tatsächlichen Heilungserfolg eher auf den Therapeuten als auf die Behandlungsmethoden zurück, die dieser anwende.

Der gesamten Diskussion stehen Menschen gegenüber, für die eine osteopathische Behandlung vielleicht eine letzte Chance bietet: schwere Lungenerkrankungen, wie zum Beispiel COPD sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die vierthäufigste Todesursache und bieten ein weiteres Feld für therapeutische Bemühungen. Doch leider gehören Behandlungen der Atemwege nicht zu den von Physiotherapeuten bevorzugten Arbeitsfeldern. Dabei wäre es wichtig, hier auf mehr kompetentes Personal zurückgreifen zu können: 6% der über Vierzigjährigen und jeder dritte über 70jährige Mann ist schließlich betroffen. Weil diese Patienten aber nicht unter der Krankheit als solcher, sondern zudem auch noch unter Angstzuständen und Depressionen zu leiden haben, wäre es umso besser, in Kontakt mit helfenden Menschen zu kommen – auf physiotherapeutische Weise. Das, wenigstens, hat auch der Bremer Sozialwissenschaftler Glaeske erkannt. Allein: Aus oben genanntem Grund besteht eine Unterversorgung von Physiotherapeuten mit atemtherapeutischer oder gar osteopathischer Zusatzausbildung. So kommen nur 30% der COPD-Patienten in den Genuss einer solchen Behandlung.