Dauer und Aufbau der Ausbildung

Seit 1994 werden in Deutschland angehende Physiotherapeuten einheitlich an über 250 staatlich anerkannten Berufsfachschulen unterrichtet. Die Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre und beinhaltet sowohl theoretischen, als auch praktischen Unterricht. Hinzu kommen fachpraktische Abschnitte in der Ausbildung, welche meist in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen oder Fachkliniken stattfinden. Die staatliche Prüfung am Ende der Ausbildung besteht aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil. Danach, sofern man die Prüfung bestanden hat, gilt man als Physiotherapeut.

Es besteht außerdem die Möglichkeit einen zusätzlichen Abschluss als Gymnastiklehrer in einer kombinierten Ausbildung zu erwerben. Diese Ausbildung dauert zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren. Durch die Zusammenarbeit von einigen Berufsfachschulen und Fachhochschulen kann dem staatlich anerkannten Physiotherapeutenabschluss auch ein akademischer Titel hinzugefügt werden. Hierbei wird berufsbegleitend ein Bachelor-Studium absolviert.

Zugangsvoraussetzungen

Neben den persönlichen Voraussetzungen wie Interesse für medizinische Sachverhalte, Einfühlungsvermögen, Team- oder Kooperationsfähigkeit, sowie psychische und physische Belastbarkeit, bestehen auch gesetzliche Voraussetzungen. Zu diesen Zugangsvoraussetzungen, welche im §10 des Masseur- und Physiotherapeutengesetz (MPhG) geregelt werden, zählen folgende Aspekte:

  • Die gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Berufs.
  • Der Realschulabschluss oder eine gleichwertige Ausbildung oder eine andere abgeschlossene zehnjährige Schulbildung, die den Hauptschulabschluss erweitert, oder eine nach Hauptschulabschluss oder einem gleichwertigen Abschluss abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zweijähriger Dauer

Die praktische und theoretische Ausbildung beinhaltet folgende Inhalte:

  • Aufbau des Bewegungsapparats und der Skelettmuskulatur des Menschen
  • Aufbau des Blutes, der Kreislauforgane, des Nerven- und Lymphsystems
  • Das zentrale Nervensystem und seine Funktion
  • Grundlagen der Hygiene
  • Verschiedene Arten von Krankheiten und Krankheitserregern
  • Betrachtung und Bewertung von Körperstellungen und Ausgangspositionen samt Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Bewegung und Persönlichkeit,
  • Grundlagen der Licht-, Elektro-, Kälte-, Wärme-, und Hydrotherapie sowie Grundkenntnisse der Strahlenheilkunde
  • Umgang mit Kranken im pädagogische und psychologische Aspekt
  • Anwendung und Methodik der Techniken der Krankengymnastik
  • Anleitung zu Entlastungs-, Entspannungs- oder Mobilitätsübungen
  • Konzept von Selbstübungsprogrammen
  • Wesentliches bei der Ausführung einer Bindegewebsmassage

Außerdem wird neben den medizinischen Grundlagenfächern auch in Staatsbürger-, Berufs- und Gesetzeskunde gelehrt. 

Förderung und Kosten

Während der Ausbildung wird keine Ausbildungsvergütung bezahlt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man aber von dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) gefördert werden.

Anders als an staatlich anerkannten Privatschulen ist die Ausbildung ist an öffentlichen Schulen kostenfrei. Es ist jedoch möglich, dass Kosten in Form von Anmelde- und Prüfungsgebühren sowie Eignungsprüfung anfallen. Wie bei jeder schulischen Ausbildung entstehen auch hier Lernmittelkosten für die Arbeitsmaterialien, die Literatur und Berufsbekleidung.