Warum ist eine Berufshaftpflichtversicherung für Heilpraktiker wichtig

Als Heilpraktiker mag es auf den ersten Blick vielleicht nicht so wichtig erscheinen, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Im Gegensatz zu Ärzten oder auch Chirurgen behandeln Sie Ihre Patienten ja schließlich mit Naturheilmitteln, die überwiegend als nebenwirkungsfrei gelten, und führen in aller Regel keine größeren Operationen durch.

Klingt gut, ist aber leider weit gefehlt!

Als Heilpraktiker haften Sie in unbegrenzter Höhe

So können zum Beispiel Schadenersatzforderungen in schwindelerregender Höhe auf Sie zukommen, weil eine falsche Therapie infolge Fehldiagnose zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes eines Patienten führt.

Ein Personenschaden (Körperverletzung oder Körperverletzung mit Todesfolge) kann Sie sehr schnell Ihre gesamte Existenz kosten!

Sie haften aus Ihrer Berufstätigkeit nach dem bürgerlichen Gesetzbuch (§ 823 ff.) in unbegrenzter Höhe für alle Schäden, die Sie Ihren Patienten schuldhaft zufügen.

Selbst bei Körperverletzungen, die nach relativ kurzer Zeit wieder ausheilen, müssen die Heilpraktiker mit erheblichen Schadenersatzforderungen rechnen.

Es geht hierbei nicht nur um Schmerzensgeld (die deutschen Gerichte sind in diesem Bereich lange nicht so großzügig wie es in den USA der Fall ist), sondern um die Regressforderungen der Sozialversicherungsträger und Krankenversicherungen, die für die Heilbehandlung und den Verdienstausfall der verletzten Person aufkommen müssen (bzw. bei Angestellten den Regress des Arbeitgebers hinsichtlich der Lohnfortzahlung).

Schon bei einem einfachen Beinbruch kommen so sehr schnell 15-20 Tausend Euro zusammen.

Weitere Risiken

Darüber hinaus lehrt uns die Praxis in unserem Schadenalltag, dass immer mehr Patienten, begründet oder auch unbegründet, zivil- und strafrechtlich gegen Ihre Heilbehandler vorgehen.

Es genügt häufig bereits, wenn sie nur die Chance sehen, einen Schuldigen zu finden, von dem sie Schadenersatz fordern können.

Ohne eine bedarfsgerechte Berufshaftpflichtversicherung tragen Sie u. a. das damit einhergehende Prozesskostenrisiko allein und müssen sich und Ihre Reputation auf eigene Kosten teuer verteidigen.

Ganz anders stellt sich ein solcher Fall dar, wenn Vorsorge über eine Berufshaftpflichtversicherung getroffen wurde.

Welche Risiken deckt die Berufshaftpflichtversicherung ab?

Die Berufshaftpflichtversicherung besteht aus zwei Hauptbestandteilen:

  • sie leistet bei begründeten Schadenersatzforderungen wegen einfacher, aber auch grober Fahrlässigkeit

und

  •  sie lehnt unbegründete Schadenersatzforderungen ab und ist in dieser Funktion zusätzlich eine so genannte „passive Rechtsschutzversicherung“ – damit entfällt für Sie das o. a. Prozesskostenrisiko, da der Versicherer auch Ihre Verteidigung vor Gericht übernimmt.

Dieser Bestandteil ist heute ebenso wichtig – er ist den meisten jedoch unbekannt.

Unabhängig von invasiver oder nicht invasiver Tätigkeit sollte die Berufshaftpflichtversicherung darüber hinaus auch die Strafrechtsschutzversicherung beinhalten.

Immer mehr Rechtsanwälte tendieren bei Körperverletzungen parallel dazu, neben der zivilrechtlichen Schadenersatzforderung auch eine strafrechtliche Anzeige zu stellen (ein gewonnener Strafprozess erhöht automatisch die Forderung im Zivilprozess).

Da die Staatsanwaltschaft hier von Amtswegen verpflichtet ist, bei einer angezeigten Körperverletzung (Offizialdelikt) zu ermitteln, sollte auch für diesen Fall Vorsorge getroffen werden.

 

Diese Schadenbeispiele sollen zeigen, was alles passieren kann

  • Die Heilpraktikerin Bärbel A. hat sich niemals vorstellen können, dass Schadenersatzforderungen in enormer Höhe auf sie zukommen, weil eine falsche Therapie infolge Fehldiagnose zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten führt. …sie habe schuldhaft die Gesundheit des Patienten verletzt und sei deshalb zum Schadenersatz verpflichtet… so der Brief des Anwalts.

 

  • Die Patientin des Heilpraktikers Werner M. verließ gegen 18.30 Uhr die Praxis des Herrn M., der am Vormittag vor der Praxis Schnee geschippt hatte. Durch die Tageserwärmung schmolzen die Schneereste. Als die Patientin die Praxis verließ, hatte es jedoch schon wieder gefroren, was zu Glatteis auf dem Gehweg vor der Praxis führte. Da Herr M. versehentlich nicht gestreut hatte, stürzte die Patientin und erlitt einen komplizierten Oberschenkelhalsbruch. Sie ist Lehrerin und konnte über 6 Wochen nicht unterrichten.

 

  • Heilpraktiker Gerd S. unterspritzte eine alte Operationsnarbe seines Patienten mit Procain. Noch während der Behandlung erlitt der Patient einen anaphylaktischen Schock und musste mit dem Rettungswagen und einem Notarzt in nächste Klinikum gebracht werden. Gerd S. hatte schlicht vergessen, den Patienten vor der Behandlung nach bekannten Allergien zu befragen…

 

  • Während einer Gruppenübung mit mehreren Teilnehmern zum autogenen Training schläft ein Teilnehmer ein, ohne dass es der Übungsleiter bemerkt. Der Patient fällt vom Stuhl, wobei er sich neben einigen leichten Prellungen ein Handgelenk bricht. Da es sich um die erste Gruppenübung handelte und der Übungsleiter der Meinung war, dabei könne so etwas nicht passieren, hatte er die Teilnehmer zur Übung nicht auf den Boden platziert, wie es beim autogenen Training normalerweise üblich ist, sondern Ihnen im Sitzen die ersten Grundübungen erklärt…

 

      • Frau G. suchte die Praxis von Frau Katharina N. wegen einer andauernden Erkältungskrankheit auf. Im Gespräch klagte Frau G. auch über schmerzhafte Verspannungen im HWS-Bereich. Hierauf wandte Frau N. bei der Patientin einen chiropraktischen Griff an, bei dem es zu einer Nerveneinklemmung kam. Der Fehler, der ihr von dem Anwalt der Patientin zu Recht vorgeworfen wurde, bestand darin, dass sie chiropraktisch an der HWS der Patientin tätig wurde, ohne sich vorher einen Überblick  über die knöchernen Strukturen ein Bild (z.B. Röntgenaufnahme) zu verschaffen.

 

 

 

 

 

Wir hoffen für Sie und wünschen Ihnen, dass so etwas niemals in Ihrer Praxis passiert.

Sollte es Sie jedoch tatsächlich einmal persönlich treffen, gehen wir davon aus, dass Sie sich, spätestens nach der Lektüre unseres heutigen Artikels, mit ausreichendem Versicherungsschutz vorgesorgt haben und diesen Widrigkeiten des täglichen Lebens gelassen entgegensehen können.