Beruf: Gestalttherapeut

Ein Gestalttherapeut schafft Raum für aktuelle Gefühle sowie Bedürfnisse und arbeitet mithilfe dieser Gefühle den nicht verarbeiteten Teil der Lebensgeschichte auf, um Blockaden zu lösen und Aufmerksamkeit und Energie für weitere Aufgaben im Leben zu bekommen. Der Gestalttherapeut beachtet den Körper und die Seele gleichermaßen und zieht soziale sowie kulturelle Lebenszusammenhänge mit ein.

Diese Therapieform ist ein Verfahren zur Ganzwerdung des Menschen, die von der Grundannahme ausgeht, dass der Mensch das Potential und die Motivation zu geistig-seelischem Wohlbefinden, zu lebenslangem Wachstum und zu kreativen Lösungen in sich trägt. Daher ist die Gestalttherapie nicht nur ein psychotherapeutisches Verfahren, sondern als Methode auch in der Beratung, der Sozialarbeit, der Supervision, der Organisationsentwicklung und vielen anderen Berufsfeldern zu finden.

Ausbildung

Grundsätzlich braucht jemand, der Gestalttherapeut werden will, ein großes Interesse am anderen Menschen und am Kontakt mit ihm. Dazu gehört unter anderem die Bereitschaft, sich als Mensch vom anderen berühren zu lassen, von seinem Leid, von seinem Glück und von seinem Unglück. Die dreijährige Ausbildung zum Gestalttherapeuten hat das Ziel, die persönliche und professionelle Kompetenz der Ausbildungsteilnehmer soweit zu entwickeln und zu fördern, dass sie in der Lage sind, eigenverantwortlich gestalttherapeutisch zu arbeiten.

Die vier Phasen

Eine Gestalttherapie wird in vier Phasen eingeteilt:

+ Initialphase: Der Patient lernt, bewusst sich selbst und seine Umgebung wahrzunehmen. Er entdeckt, was hier und jetzt gegeben ist, was er tut, was er will und wie er sich selbst im Wege steht.

+ Aktionsphase: Der Patient kann Erinnerungen wiederholen und dabei die Gefühle erleben, die damals unterdrückt werden mussten, wobei es zu dramatischen Erkenntnissen kommen kann. Wut und Ärger spielen hier genauso eine Rolle wie Weinen und Traurigkeit.

+ Integrationsphase: Die Gefühle werden verarbeitet, um die Zusammenhänge zu verstehen und so zu einer Einsicht zu gelangen.

+ Neuorientierung: Durch Übungen werden Erfahrung und Einsicht in den Alltag übertragen.

Zahlen, Daten, Fakten

Die Gestalttherapie entstand in den vierziger Jahren in den USA und erlebte vor allem in den sechziger Jahren der Autonomiebestrebungen einen Aufschwung. Sie wurde von Fritz und Lore Perls sowie dem Soziologen Paul Goodman entwickelt und beschrieben. Man geht bei der Gestalttherapie von einem lebenslangen Wachstumsprozess aus sowie dem Potenzial und der inneren Motivation von Menschen zu geistig-seelischer Gesundheit, Wachstum und kreativen Lösungen.